Häser & Masken
Vier Gestalten
Dickköpf, Blumennarr, Wintergeist und Waasenmoos – woher sie kommen und was sie bedeuten.

Seit Ende der 1940er
Dickköpf
Die Bezeichnung „Dickkopf“ brachte Friedrich Geigle auf die Idee, Dickköpfe für die Fasnet zu organisieren. Einen Maskenschnitzer fand er jedoch nicht, und finanzielle Hilfe bekam er von keiner Seite. Daraufhin kaufte er aus eigener Tasche zwei übergroße Pappköpfe. Über seine guten Beziehungen zu Leuten der Salzburger Festspiele erhielt er einige ausgemusterte Kostüme dazu. Im Laufe der Jahre erstand Geigle noch zwanzig weitere solcher Masken. Mit diesen Häsern nahmen die Narren aus Gebrazhofen an Umzügen der Gegend teil – die Dickköpfe waren geboren.
Heute gibt es zwei Formen: Die alten Pappköpfe sind weiterhin bei den Umzügen dabei. Zwei übergroße Hauptfiguren – der Oberzollner und seine Frau – werden von den Narreneltern getragen und schreiten vor der Schar der anderen Pappköpfe.
Mit der Gründung der Narrenvereinigung entstand zusätzlich ein neues Kostüm. Dabei drehten die Gebrazhofer den Spieß um: Diejenigen Originale, die einst Geigle als Dickkopf bezeichnet hatten, wurden als Modell verwendet und sind nun – neben historischen Gestalten – in den Masken verewigt.
Seit 1969
Blumennarr
Die Masken der 1969 geschaffenen Blumennarren sind aus Lindenholz geschnitzt. Neben dem verschmitzt grinsenden Ranzengeiger Munding wurden verschiedene Maskentypen gefertigt – sowohl historische als auch zeitgenössische, originelle Typen.
Das rote Kopftuch und das in Rot und Weiß gehaltene Fantasie-Häs weisen auf die langjährige österreichische Herrschaft hin. Die aufgemalten Blumen sind Symbol für den bäuerlichen Stand und für das Hervorbrechen bunter Blumenpracht aus dem Schnee. Der Fuchsschwanz steht für Schläue, die Schellen sollen den im Allgäu besonders hartnäckigen Winter verjagen.


Seit 1976
Wintergeist
Der Wintergeist kam 1976 dazu. Diese Einzelmaske macht teils einen gefälligen, teils einen unwirschen Eindruck.
Die fratzenhafte Holzmaske mit den Kuhhörnern ist von einem weißen, mit Wollfransen eingefassten Wolltuch umhüllt. Die sogenannte „Kotze“, wie der Wetterüberwurf der Alpenbewohner genannt wird, hat zu den Fransen noch wirre Tuchstreifen aufgenäht. Darunter trägt der Wintergeist ein Gewand, das mit einer Winterlandschaft bemalt ist. Weiteres Attribut ist die Tafel mit dem Schneewolkengesicht und den flatternden weißen Bändern.
Seit 1986
Waasenmoos
Jüngste Maskengruppe der Gebrazhofer ist das Waasenmoosmale, das 1986 entstand. Ihm folgte bald das passende Waasenmoosweible.
Früher gab es rund um Gebrazhofen große Moorgebiete und sumpfige Wiesen. Während die meisten davon im Laufe der Zeit trockengelegt und bewirtschaftet wurden, ist das Waasenmoos eines der letzten noch übrigen Moorgebiete.
Das Häs stellt diese Moorlandschaft dar. Die Wolle, aus der es gefertigt ist, war früher neben dem Flachs das Material, aus dem sich die Bevölkerung ihre Kleidung machte. Die vier großen Schellen am Bauchgurt sollen die Dämonen und Geister verjagen, die im Moor vor allem während der Wintermonate ihr Unwesen trieben. Die Holzmaske hat zwei unterschiedliche Hälften: Die grimmige Seite steht für die Angst vor der Naturgewalt im Moor, die freundliche Seite für seine Vorteile. Denn aus dem Moor kam Torf zum Heizen, man sammelte Wurzeln, Beeren und Kräuter und ließ dort Schafe und Ziegen weiden.

Hinter den Masken
Wie es dazu kam
Die Geschichte der Gebrazhofer Fasnet beginnt 1946 mit einem Ball, den es eigentlich nicht hätte geben dürfen.